Praxis für Ergotherapie - Anna & Wolfgang Brodeßer
Sternstr. 5
40479 Düsseldorf

Telefon: (0211) 5 63 80 80
Fax: (0211) 5 63 80 63
E-Mail: ergo-brodesser@web.de




Unsere Sprechzeiten

Montag
08:30 Uhr bis 19:00 Uhr
Diensta
08:30 Uhr bis 19:00 Uhr
Mittwoch
08:30 Uhr bis 19:00 Uhr
Donnerstag
08:30 Uhr bis 19:00 Uhr
Freitag
08:30 Uhr bis 16:00 Uhr

Gesundheitsnews





Raus aus der Trägheit, weg mit der Schwere - Neues Therapieprogramm
Raus aus der Trägheit, weg mit der Schwere - Neues Therapieprogramm


Ergotherapeuten beleuchten die Aktivitäten des Alltags. Gibt es ausgeprägte Aktivitätsdefizite, versetzen sie ihre Klienten in die Lage, diese zu überwinden. Kostengünstig und effizient.

Der inzwischen hohe Anteil von Menschen mit psychischen Erkrankungen wirkt sich nicht nur auf die Betroffenen selbst und deren Umfeld lähmend und energiezehrend aus. Die immensen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belastungen sind ein nicht minder großes Problem. Ein aus dem Kanadischen übertragenes ergotherapeutisches Therapieprogramm lässt sogar Menschen mit schwerer Depression, Zwangsstörung, Schizophrenie und weiteren psychischen Leiden hoffen. „Es geht an erster Stelle darum, diese Menschen aus ihrer Schwere und der Einseitigkeit ihrer Aktivitäten zu holen.“, erklärt der Ergotherapeut und Mitautor des deutschen Therapieprogramms Andreas Pfeiffer vom DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.).

Es ist eine negative Dauerschleife, in der sich Menschen mit psychischen Problemen befinden. Sie empfinden eine Schwere, die sie lähmt. Die verhindert, dass sie aktiv sind, die Dinge tun, die wichtig sind wie morgens aufstehen, sich duschen, einen regelmäßigen, strukturierten Alltag haben und Teil der Gesellschaft sein. Und die dazu führt, dass die Tage von einer großen Einseitigkeit geprägt sind, die sie und das Umfeld oft als Aktivitätslosigkeit empfinden. „Auf der Suche nach wissenschaftlich untermauerten Möglichkeiten, wie wir die Situation dieser Patienten verbessern können, sind wir auf das kanadische Therapieprogramm ‚Action over Inertia‘, frei übersetzt ‚Handeln gegen Trägheit‘, gestoßen. Wobei Trägheit im physikalischen Sinne zu verstehen ist, also nicht als Aktivität des Nichts-Tuns oder als faul sein.“, setzt sich der Ergotherapeut Pfeiffer mit den Feinheiten des Therapieprogramms auseinander.

Aktivitätsmuster analysieren und verändern Das ergotherapeutische Therapieprogramm ‚Handeln gegen Trägheit‘ bietet eine Vielzahl von Arbeitsmaterialien für die Patienten. So beantworten diese selbstständig Fragebögen zu ihrem Alltag; der Ergotherapeut fungiert dabei als Coach, Moderator und den Prozess Steuernder. Entscheider bleiben die Patienten; dadurch empfinden sie Kompetenz und Eigenständigkeit. Das ist Teil des Therapieprogramms. Und eine ergotherapeutische Grundhaltung: Dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen und widerzuspiegeln, dass er etwas kann, er selbst bestimmt. Ein weiteres Element dieser Arbeitsmaterialen sind die sogenannten Aktivitätsmuster. Die Auswertung der Antworten zu den Bereichen des Alltags, also Selbstversorgung, Produktivität, Freizeit und Erholung, erfolgt in Form eines Balkendiagramms und zeigt auf einen Blick, mit welchen Aktivitäten der Patient seinen Alltag verbringt. Ob eine Ausgewogenheit da ist oder ob es Schwerpunkte gibt, was bedeutet, dass auch (Aktivitäts)Defizite vorhanden sind. Menschen, bei denen aufgrund ihrer Problematik kaum oder gar keine Aktivitäten in bestimmten Bereichen stattfinden, können diese Einseitigkeit im gezeigten Diagramm sofort selbst erkennen. Der nächste Schritt von Ergotherapeuten ist dann, ihren Klienten Impulse zu geben, sie zu befähigen, diese Aktivitätsdefizite zu überwinden. Diese Form der Verhaltensaktivierung durch Ergotherapeuten ist ein neuer Ansatz, der seine Wurzeln in der Depressionsbehandlung hat. Und der in seiner Wirkung einer kognitiven Verhaltenstherapie durch Psychotherapeuten in nichts nachsteht, in Summe sogar kostengünstiger und mit weniger Aufwand verbunden ist.

Therapieprogramm als Schlüssel zum Erfolg Diesen Effekt haben Ergotherapeuten mittlerweile in einer Studie belegt: Bereits nach zwölf Einheiten Ergotherapie gibt es einen messbaren Erfolg. Innerhalb einer Regelverordnung von 40 Einheiten erzielen sie durchgreifende Resultate. Einer der Gründe, so Pfeiffer: „Quick changes, also schnelle Veränderungen. Wir beginnen mit einem kleinen Ziel, das derjenige ziemlich sicher erreichen kann. Die Bestätigung, etwas mit Erfolg tun zu können, motiviert zum Weitermachen, bewirkt eine Dynamik.“ Und dies, so wie es sich auch in der Physik beim Thema Trägheit verhält, verleiht den Betroffenen die Energie, auch schwerere oder komplexere Ziele anzugehen und zu erreichen.

Einen erfüllten Alltag durch Aktivitätsbalance Nach solch beeindruckenden Erfolgen stellt sich üblicherweise die Frage, wie es weiter geht. „Bisher“, betont der Ergotherapeut „haben wir immerhin die „harten Nüsse“ im Bereich der psychischen Erkrankungen geknackt und erlebt, dass das Therapieprogramm auch bei weniger schwer Betroffenen gut anwendbar ist. Wir arbeiten daran, es auch für weitere Bereiche zu adaptieren.“ Auf die Frage, ob das Programm auch für Menschen vorstellbar sei, die aus welchen Gründen auch immer einen einseitigen Alltag, also Aktivitätsschwerpunkte haben, antwortet der Experte: „Jeder ergotherapeutischen Intervention geht ein Arztbesuch voraus. Aber mit dem Wissen, dass und welche Hilfe es gibt, steht ein Gespräch mit dem Haus- oder Facharzt unter einem ganz anderen Stern.“. Und er schließt mit dem Resümee: „Grundsätzlich gilt: Ergotherapeuten sind die Spezialisten, die ihren Klienten zu einem funktionierenden, erfüllten Alltag in Aktivitätsbalance verhelfen.“

Informationsmaterial gibt es bei den Ergotherapeuten des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.); Ergotherapeuten in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes im Navigationspunkt Ergotherapie und Therapeutensuche und das Buch zum Therapieprogramm „Handeln ermöglichen“ beim Schulz-Kirchner-Verlag.


Mentales und körperliches Training fördert die Leistungsfähigkeit
Mentales und körperliches Training fördert die Leistungsfähigkeit


TÜV Rheinland

Beim Treppensteigen den Schlüssel in der Tasche zu suchen oder beim Autofahren in der Stadt mit dem Beifahrer zu sprechen ist ganz normal. Für das Gehirn bedeutet es jedoch eine besondere Herausforderung, zwei Aufgaben zu koordinieren – mit zunehmendem Lebensalter gelingt dies immer schlechter. „Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt viel früher nach als viele denken: Schon bei 30-Jährigen können erste Einbußen mit psychometrischen Tests gemessen werden. Studien deuten darauf hin, dass ein sogenanntes Dual-Task-Training, eine Kombination aus körperlichen und mentalen Aufgaben, dazu beiträgt, die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten“, so Claudia Kardys, die als Senior Projektmanagerin Betriebliches Gesundheitsmanagement bei TÜV Rheinland Unternehmen verschiedener Branchen betreut.

In der betrieblichen Gesundheitsförderung kann dazu zum Beispiel ein Agility-Board eingesetzt werden. Bei dieser Trainingsform werden den Teilnehmern auf einem Tablet-PC Aufgaben, beispielsweise eine Abfolge von Feldern angezeigt, die sie sich merken und auf dem Board als Bewegungsablauf wiedergeben müssen. Das Agility-Board bietet über unterschiedliche Aufgaben die Möglichkeit, verschiedene kognitive Fähigkeiten wie das Arbeitsgedächtnis, die Konzentration oder das räumlich-visuelle Denken zu schulen. Für den Erfolg und die Motivation der Teilnehmer ist es wichtig, dass die Aufgaben auf die Leistungsfähigkeit des Einzelnen abgestimmt sind. Setzt ein Trainingseffekt ein, muss der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben steigen. Ziel ist es, nicht nur einen Bereich im Gehirn zu schulen, sondern einen Transfereffekt zu erreichen: Durch ein Arbeitsgedächtnistraining zum Beispiel die Entscheidungsfindung zu beschleunigen oder die Ablenkbarkeit zu senken.
Bewegung verbessert die Durchblutung im Gehirn

Prinzipiell kann jede Form von körperlicher Aktivität mit geistigen Aufgaben kombiniert werden. Bei Krafttraining ist ein Teil der Aufmerksamkeit auf die Bewegung gerichtet. Deshalb ist es deutlich schwieriger, gleichzeitig eine Rechenaufgabe zu lösen als beim Joggen auf dem Laufband. Daher werden meist Ausdauer- oder Herz-Kreislauf-Trainings mit Denkaufgaben kombiniert. Durch die Bewegung wird die Durchblutung in allen Organen, auch im Gehirn, verbessert. Darüber hinaus steigt bei einigen Aktivitäten die Ausschüttung von Wachstumshormonen. Studien weisen darauf hin, dass ein kombiniertes körperliches und mentales Training die Qualität und die Menge neu gebildeter Nervenzellen und Zellvernetzungen im Gehirn positiv beeinflusst. „Wie das optimale Training aussieht, wie lange die Übungseinheiten sein sollten und welche Intensität sinnvoll ist, wird intensiv erforscht. In der praktischen Anwendung haben wir festgestellt, dass schon 15 Minuten Training am Tag nach sechs Wochen messbare Auswirkungen auf die Reaktions- sowie Konzentrationsfähigkeit und die Stressresistenz haben“, so Kardys.
Arbeitsfähigkeit erhalten

Logisches Denken sowie gezieltes und planvolles Handeln sind bei den meisten beruflichen Tätigkeiten unerlässlich. Ein Dual-Task-Training als Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung trägt dazu bei, diese Fähigkeiten bei Arbeitnehmern jedes Alters gezielt zu unterstützen. Damit leistet es einen wertvollen Beitrag dazu, Leistungsträger für die Unternehmen zu erhalten. Für eine nachhaltige Wirkung der betrieblichen Gesundheitsförderung muss zu Beginn analysiert werden, welcher Bedarf im Unternehmen besteht. Nach Abschluss der Maßnahme zeigt die Wirksamkeitsüberprüfung auf verschiedenen Ebenen, ob die Ziele erreicht wurden und wo Optimierungsbedarf besteht. „In den Präventionsteams von TÜV Rheinland arbeiten dazu Experten aus verschiedenen Gesundheitsberufen zusammen. Sie können Projekte der betrieblichen Gesundheitsförderung von der Analyse über die Konzeption und Umsetzung bis zur Evaluation betreuen. Für die Unternehmen bietet das den Vorteil, dass die Maßnahmen auf den Bedarf der Belegschaft zugeschnitten sind. Das motiviert die Mitarbeiter zur Teilnahme und unterstützt den langfristigen Erfolg“, weiß Kardys.

10.08.2017 DGA | Quelle: TÜV Rheinland


Sport ist Mord?
Sport ist Mord?


Studie zeigt, dass Menschen Sport als weniger anstrengend empfinden, wenn sie daran glauben, dass er ihnen gut tut

„Sport ist mir zu anstrengend.“ Für viele Menschen ist das Grund genug, auf Bewegung zu verzichten. Doch muss Sport wirklich schweißtreibend sein? Der Psychologe Hendrik Mothes vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat mit seinem Team herausgefunden, dass die eigenen Erwartungen einen starken Einfluss darauf haben, wie anstrengend eine Sporteinheit erlebt wird. Außerdem wiesen die Forscher nach, dass es für das Anstrengungserleben eine wesentliche Rolle spielt, was die Sporttreibenden über sich selbst denken. Manchmal könne es zudem klug sein, sich von vermeintlich hilfreichen Sportprodukten unterstützen zu lassen, sofern man daran glaubt. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ erschienen.

Das Team hat 78 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 32 Jahren in sein Forschungslabor eingeladen, wo die Probandinnen und Probanden 30 Minuten lang in die Pedale eines Fahrradergometers treten mussten. Davor sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einschätzen, wie sportlich sie sich empfinden. Zudem wurden sie gebeten, ein Kompressionsshirt eines bekannten Sportartikelherstellers anzuziehen. Alle fünf Minuten wurden sie während der Sporteinheit nach ihrem aktuellen Anstrengungserleben befragt. Direkt davor hatten die Wissenschaftler den Teilnehmenden jeweils bestimmte Kurzfilme gezeigt, die die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der anstehenden Radfahraktivität hervorhoben oder die Erwartungen eher dämpften. Dabei fanden auch die getragenen Kompressionsshirts Erwähnung: Während die Trikots in einigen der Kurzfilme als zusätzlich hilfreich beim Ausführen der Radfahraktivität gelobt wurden, wurden sie in den anderen Kurzfilmen mit dem Hinweis erwähnt, dass dadurch das Schwitzen der Probanden während des Sports vergleichbar wird. „Was die Teilnehmenden dabei nicht ahnten, war, dass auf diese Weise ihre Erwartungen an das nachfolgende Radfahren beeinflusst werden sollten“, sagt Mothes.

Die Ergebnisse zeigten ganz im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, dass die Trainingseinheit für die Probanden dann weniger anstrengend war, wenn sie mit positiven Erwartungen an das Training herangingen. Dieser Effekt war umso stärker, je sportlicher sich die Probanden selbst empfanden. Teilnehmern, die sich als unsportlich einschätzten, nutzten die positiven Erwartungen jedoch nichts. Sie erlebten die Trainingseinheit trotzdem als anstrengend. Außerdem stellten die Forscher einen Effekt des Glaubens an das Kompressionsshirt fest. Für die sich als sportlich empfindenden Probanden machte es keinen Unterschied, doch für die Probanden, die sich als unsportlich empfanden, einen beachtlichen: „Allein der Glaube daran, dass das Kompressionsshirt ihnen hilft, verhalf den ‚Unsportlichen‘ zu geringerem Anstrengungserleben während der Sportaktivität“, bilanziert Mothes.

Diese Befunde seien ein weiterer Beleg für die Wirkung eines Placebo-Effektes beim Sporttreiben. Und sie zeigten, dass es nicht egal ist, was man über Sport und seine Wirkung denkt. „Nicht zuletzt zeigen die Befunde eindrucksvoll für alle, die sich nicht für eine Sportskanone halten: Entsprechende Produkte können Sport tatsächlich angenehmer machen, wenn man ‚nur‘ daran glaubt.“

Originalveröffentlichung:
Hendrik Mothes, Christian Leukel, Harald Seelig, Reinhard Fuchs (2017): Do placebo expectations influence perceived exertion during physical exercise? In: PLOS ONE.
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0180434